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Das Gewehr und die Ehrensalve

Das Gewehr des Schützen ist heute keine Kampfwaffe mehr. Es ist ein Paradegewehr – vergleichbar mit dem Ehrendegen in alten Armeen oder der Hellebarde der Schweizer Garde. Für uns ist es Symbol von Freiheit und Gerechtigkeit, die – wie Konzil und Päpste betonen – das Fundament des Friedens bilden. Es steht für den Einsatz für die Würde des Menschen und für den Schutz grundlegender Werte.

Das Präsentieren des Gewehrs und das Abfeuern einer Ehrensalve sind unsere traditionelle Form des Grußes – auch an Gott, dem wir im Evangelium, in der Eucharistie und im Segen begegnen. Eine Ehrensalve ist ein altes Friedenssymbol: „Für dich ist niemals eine Kugel im Lauf. Ich komme zu dir und will dir als Freund begegnen.“

Als Schützen bekennen wir uns zu unserem christlichen Glauben mit dem Grundsatz „Treue zu Gott und der Kirche“. Wir bekennen uns zum Schutz unserer Heimat, auch wenn wir heute nicht mehr Teil der aktiven Landesverteidigung sind. Für uns Tiroler Schützen ist das Gewehr daher ein Symbol für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit.

Ein Beispiel: Am 18. April 2002 feuerten die Bayerischen Gebirgsschützen im Vatikan für Kardinal Joseph Ratzinger (den späteren Papst Benedikt XVI.) eine Ehrensalve ab. Er bezeichnete diese als „Explosion der Freude“ – keinesfalls als kriegerischen Akt – und freute sich darüber.

Wann wird eine Ehrensalve abgegeben?

Das Abfeuern einer Ehrensalve (General-de-Charge) ist die höchste Ehrbezeugung der Schützen und steht nach alten Regeln nur dem Herrgott, dem Tod und den Regierenden zu. Sie erfolgt:

  • bei Feldmessen und Prozessionen: nach dem Evangelium
  • bei Begräbnissen und Totenehrungen: vor der Kranzniederlegung (in Absprache mit Angehörigen und Geistlichkeit)
  • bei der Begrüßung hoher staatlicher Würdenträger: Bundespräsident, Bundeskanzler, Minister, ausländische Gäste, Landeshauptmann oder dessen Vertreter
  • als Teil des Tiroler oder Großen Österreichischen Zapfenstreichs sowie bei Ausbildungszwecken

Für Geburtstage, Hochzeiten oder Jubiläen ist die Ehrensalve nicht vorgesehen. Dort wird in Tirol zum Zeichen der Freude traditionell geböllert.